Texte

 

„Das Herz, dieser Käfer ohne Augen, riesig
dieser Kafka - Käfer, rennt in Panik durch sein Labyrinth.“
Anne Sexton


Aus der Kirche steigen akustische Rauchzeichen
Noten fliegen wie schwermütige Vögel herum
sollen sie Schlupflöcher in den Himmel reißen
Maria ist rot von Schießbudenrosen
rot wie unsere Lippen wenn sie sich nähern
sich öffnen / die Musik strengt sich an
überall Schweiß
die Menge murmelt bitte für uns was ist das
für eine Pinzette in der wir hängen und zappeln
wie Insekten / du knöpfst deine Jeans auf
und schmiegst dein pochendes Fleisch an meines
man nähert sich schon dem Amen / meine Hände
fassen nach deinen Lenden / das ist so das ist wie
wenn einem beim Trinken vor Durst
das Wasser in Bächen am Kinn herab läuft

(entnommen: Fasernackte Verse; Fixpoetry.verlag, 2012)

 

 


Maria

dass es am Ende immer kommt
und wenn das Mädchen blutjung ist
und die Leute behaupten dass sie keinen
an sich ran lässt / Hymen intakt
und wenn das Mädchen mit prallem Bauch
und einem Kerl / der ihr Vater sein könnte
nomadisiert / seis drum es kommt
und wenn statt Hebammen Ochsen
mit runden Augen tanzen und muhn
ihre feuchten Mäuler nähern die Nüstern
blähen / es kommt / still und weiß
wie Porzellan / eine Attraktion
in dieser Gegend / und wenn die Hirten
mit abgewetzten Kleidern und schwieligen
Händen / Hornhaut so fest wie die Hufe
des Viehs / mit offenen Mündern
auf die Knie falln / es ist da
wie all die andern zerzausten
Dinger im Dreck irgendwo
mit weichen Fontanellen

 

(entnommen: Fasernackte Verse, Fixpoetry.verlag, 2012)

 

Ewigkeitssonntag

Gehn auf dem Friedhof Wege ab
sagt mir was zu tun ist sagt
es muss abgedeckt werden
rieche schon Reisig
es muss geschnitten
alles abgeschnitten werden
diese seltsame Dunkelheit in der ich
nicht seh was ich seh

 

(entnommen: Fasernackte Verse, Fixpoetry.verlag, 2012)